— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Alexander

GB/D/NL/F 2004. R,B: Oliver Stone. B: Christopher Kyle, Laeta Kalogridis. K: Rodrigo Prieto. S: Thomas J. Nordberg, Yann Hervé. M: Vangelis. P: IMF, Warner, Intermedia Films. D: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Anthony Hopkins u.a.
176 Min. Constantin ab 23.12.04

Hey, hier kommt Alex!

Von Daniel von Rosenberg Ein Mann erobert die Welt.
Beseelt von einer Vision.

Dieser Mann ist Feldherr, Gutmensch und Muttersöhnchen in Personalunion. Ein Getriebener, zerrissen zwischen der abgöttischen Liebe zur aristokratischen Mutter, der unerwiderten Bewunderung für seinen barbarischen Vater und einer starken Hingezogenheit zum eigenen Geschlecht.

Leider köchelt Oliver Stone aus dieser hochexplosiven Ödipus-Bohne besten Anbaugebiets, eine wässrige, koffeinfreie Hollywood-Melange. Aber das Leben ist nunmal kein Schonkaffee und deswegen wird aus dem gnadenlos fehlbesetzten Colin Farell – bitte auflegen und zwar sofort! – schon sehr bald ein mühsam grimassierender, mazedonischer Schmalspurkrieger, dessen einzige Farbgebung nicht dem Regisseur, sondern seinem Hairstylisten beim Setzen der blonden Strähnchen gelungen ist. Denn – und das muß wirklich lobend erwähnt werden – die farrelsche Coloration leuchtet, auch nach rabiatem Hauen und Stechen, fast so eindrucksvoll wie das frisch gewienerte Gold Babylons.

Der Regisseur Stone, sonst unterhaltsamer Paranoiker und investigativer Moralapostel des amerikanischen Mainstreamkinos, scheitert in Alexander an seinem eigenen Konzept und am Versuch, seinem Ruf als einer der letzten Querdenker Hollywoods auch in einer derartig kostenintensiven historischen Inszenierung gerecht zu werden.

Zu krampfhaft versucht er, die Millionen des Studios im Nacken, die historischen Spekulationen über Alexanders latente Homosexualität zu einem zeitgemäßen dramaturgischen Faden zu verweben und die legendäre Figur menschlich und publikumskompatibel zu zeigen.

Doch statt des spannenden Psychogramms einer historischen Legende erlebt der Zuschauer ein langatmiges Spiel mit Klischees und abgeschmackter Harems-Erotik aus »Tausendundeiner Nacht«. Schleiertänze und geschminkte Männer, die aussehen wie Light-Versionen von Rudolpho Valentino, tiefe Blicke und doppeldeutig-schwülstiges Geflüster des jungen Königs mit seinem Busenfreund aus Kindertagen sind alles, was sichtbar wird.

So stellt sich der innovative Geschichtenerzähler Stone das wilde, ausschweifende und leidenschaftliche Leben seines Helden vor, und offenbart dadurch letztlich nur eigene Ideenlosigkeit in der Umsetzung seines faden Bio-Pics. Oder fürchtet dieser Don Quichotte Hollywoods, eine unkonventionellere Darstellung und mutigere Besetzung hätten den kommerziellen Erfolg von Alexander gefährden können?

Diese Frage wird wohl unbeantwortet bleiben, und so warten wir weiterhin sehnsüchtig auf die längst überfällige Kinopremiere der Dokumentation Comandante, in welcher der echte Oliver Stone statt des falschen Alexander auf den leibhaftigen Fidel Castro trifft und nur drei Tage Zeit hat, dem Mythos einer weiteren Legende auf die Spur zu kommen.

Die Schlacht ist also geschlagen, der Krieg zum Glück noch nicht verloren…
Hasta la victoria siempre! 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap