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Agent Cody Banks 2: Mission London

Agent Cody Banks 2: Destination London. USA 2004. R: Kevin Allen. B: Don Rhymer. K: Denis Crossan. S: Andrew MacRitchie. M: Mark Thomas. P: Maverick Films u.a. D: Frankie Muniz, Anthony Anderson, Hannah Spearritt, Cynthia Stevenson u.a.
101 Min. Fox ab 8.7.04

Lustig wie die Geisterbahn

Von Katherine Rich Gut angekommen bei Jugendlichen wie Erwachsenen, koppelte der erste Agent Cody Banks den Glamour eines James Bond-Films mit dem Humor eines unbeholfenen Pubertierenden, der im Auftrag der CIA die Welt zu retten versucht, ohne dabei natürlich seine Hausaufgaben zu vernachlässigen. Cody, gespielt vom talentierten Frankie Muniz, kämpft mit noch so üblen Bösewichten – am Ende des Tages sind es seine Eltern, die ihn in die Schranken weisen.

Die Voraussetzungen für Agent Cody Banks 2: Mission London sind die selben wie beim ersten Teil, abgesehen davon, daß Cody ein bißchen besser in seine glänzenden James Bond-Schuhe hineingewachsen ist, so daß er nun wahrscheinlich eine Bombe halten könnte, ohne auch nur einen Tropfen seines alkoholfreien Martinis zu verschütten. Mit all den Gadgets, die man sich so vorstellen kann, ist es für ihn etwas leichter geworden, Cody Banks zu sein. Eine Tür läßt sich nicht öffnen? Kein Problem, nimm eines der praktischen explodierenden Mentos'. Ein Geheimtreffen läßt sich nicht genau beobachten? Da leistet seine tolle Armbanduhr Abhilfe, mit eingebautem Fernrohr. Die Figur, die früher wie jedes Kind mit ein Paar coolen Spielzeugen bewaffnet war, ist heute nur noch ein unerschütterlicher Geheimagent ohne Anmut.

Die Fortsetzung spielt in London, ohne daß es für diesen Szenenwechsel irgend einen ersichtlichen Grund gäbe, und handelt von einem Bösewicht, der ein Gerät zur Bewußtseinskontrolle gestohlen hat und natürlich die Welt zu übernehmen versucht. Um ihn daran zu hindern, muß Cody als Schüler in ein Internat ziehen, an dem der Verdächtige wirken soll. Zwischendrin muß es Cody mit seinem ehemaligen CIA-Ausbilder und Vaterfigur Diaz aufnehmen, eine Plotkomponente, die viel zu kurz kommt. Ein Cody Banks hat keine Skywalker-Komplexe, denn Cody Banks ist schließlich Geheimagent. Er bietet jeder Herausforderung die Stirn, verstellt sich geschickt als Klarinettenspieler und schleicht sich in die Zentrale des Bösewichts, natürlich ohne Hilfe, geschweige denn Schweiß zu vergießen.

Der Film hätte Potential entwickeln können in den Internatsszenen, wo Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern zusammentreffen. Stattdessen aber werden alle Figuren außer Cody und das englische Mädchen Emily recht billigen Witzen über internationale Stereotypen hingegeben. Es wirkt, als bestünde der einzige Zweck ihrer Existenz darin, der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Und so macht es schließlich den Anschein, als sei Cody der ritterliche Amerikaner, der nach Europa gekommen ist, um die Fremden zu retten, die zwar irgendwie lustig, aber nicht wirklich interessant sind, geschweige denn es wert wären, einen Namen zu tragen.

Trotzdem gibt es einige humorvolle und anmutige Momente im Film, aber zu wenig, um die im Vergleich zum ersten Teil heruntergefahrene Action aufzufangen. Kevin Allens grober und stümperhafter Humor fällt im Gegensatz zu den großen aktuellen Kinderfilmen wie Shrek und Findet Nemo deutlich ab, weil er mit seinem Humor zu oberflächlich auf Kinder abzielt und sie dabei auch noch kräftig unterschätzt. Und den Erwachsenen bleibt das sehnsüchtige Starren auf die Ausgänge.

Der Film begnügt sich damit, nie zu spannend, zu lustig oder eben zu aufregend zu werden. Er sieht aus wie die müde Geisterbahn, in die Cody am Anfang des Films steigt, wo er in einem Boot sitzt und gemächlich an falschen Skeletten und durch hustendes Geheul schippert. Cody Banks 2 begnügt sich damit, langweilig durch die Szenerie zu schwimmen mit ein Paar High-Tech-Tricks hier und einem Witz dort. Die Geisterbahn mag keine komplette Enttäuschung sein, aber die meisten würden sicher lieber in die Achterbahn wollen. 1970-01-01 01:00
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