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Eine Affäre in Paris

Le divorce. USA 2003. R,B: James Ivory. B: Ruth Prawer Jhabvala. K: Pierre Lhomme. S: John David Allen. M: Richard Robbins. P: Merchant Ivory, Radar Pictures. D: Naomi Watts, Kate Hudson, Thierry Lhermitte, Glenn Close, Matthew Modine u.a.
117 Min. Fox ab 15.1.04

Eine Scheidung

Von Frank Brenner Mit Filmen wie Zimmer mit Aussicht, Maurice und Wiedersehen in Howards End definierte der Amerikaner James Ivory den Look des britischen Kostümfilms. Als Dank wurden seine Filme stets mit Oscar-Nominierungen überhäuft, er selbst indes ging immer leer aus. In den letzten Jahren hat er sich mit Mein Mann Picasso und Jefferson in Paris der Inszenierung von »französischen« Filmen verschrieben. Zusammen mit seinen Partnern seit über 40 Jahren, dem Produzenten Ismail Merchant und der Autorin Ruth Prawer Jhabvala, hat Ivory seinem Œuvre nun einen weiteren leichten Paris-Film hinzugefügt, der mehr als sonst bei seinen Werken üblich einem Ensemblefilm à la Robert Altman gleicht.

In gewisser Weise ist Eine Affäre in Paris auch das exakte Gegenstück zu Altmans Klassiker Eine Hochzeit, da er sich um die mannigfaltigen Probleme zweier Familien dreht, deren Sprösslinge in einen Scheidungskrieg verwickelt werden, als gerade das zweite Kind unterwegs ist. Isabel, die Schwester aus Amerika, ist auch just zu Besuch gekommen, als der französische Ehemann auszieht und bei seiner neuen Geliebten Unterschlupf sucht. Isabel hingegen verliebt sich in der Stadt der Liebe in den Onkel des untreuen Ehemanns ihrer Schwester, und das Chaos ist perfekt.

Die von Hollywood-Shooting-Star Kate Hudson gespielte Isabel steht dann auch im Zentrum des Interesses, weil sie in Paris die Wandlung zu einer anderen Frau durchlebt – von der trampelnden, lauten amerikanischen Göre zur geschmacks- und stilsicheren, kultivierten »Französin«. Diese Wandlung ist, obwohl sie ausgereizten Stereotypen folgt, sehr zurückhaltend und charmant in Szene gesetzt, so daß man sich schwer an ihr stoßen kann.

Zudem liefert Diane Johnsons Romanvorlage genügend Parallelerzählungen, welche die Handlung mit Leben füllen und die Figuren plastischer werden lassen. So gibt es u.a. einen Nebenstrang um die neue Liebhaberin des Ehemanns, die ihrerseits noch mit einem Amerikaner (Matthew Modine) verheiratet ist, der sie abgöttisch liebt. Gegen Ende des Films steigert sich seine Raserei in einen Amoklauf, der auf dem Eiffelturm seinen Höhepunkt findet. Diese perfekt inszenierte Sequenz erinnert an die besten Suspenseszenen des Spannungsmeisters Alfred Hitchcock und beweist einmal mehr, daß James Ivory sämtliche Nuancen auf der Emotionsklaviatur mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht. 1970-01-01 01:00

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