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Abgefahren

D 2004. R: Jakob Schäuffelen. B: Axel Melzener, Frank Weiss, Jörn Precht. K: Sonja Rom. S: Sandy Saffeels. P: Clasart Film, Gate Film. D: Felicitas Woll, Sebastian Ströbel, Nina Tenge, Rebecca Mosselmann u.a.
90 Min. Concorde ab 1.4.04

Fast furios

Von Frank Brenner Zur amerikanischen Jugendkultur des 20. Jahrhunderts gehört ohne jeden Zweifel das Kräftemessen mit schnellen Autos spätestens seit dem James-Dean-Klassiker …denn sie wissen nicht, was sie tun als eines der zentralsten Elemente dazu. In den 60er Jahren wurde dann weiter rebelliert und mit den Gesetzeshütern auch stellvertretend die Elterngeneration vor den Kopf gestoßen. In jüngster Zeit ist wieder solch ein Trend im US-amerikanischen Actionkino zu verzeichnen. Filme wie The Fast and the Furious und seine Fortsetzung 2 Fast 2 Furious machen Kasse mit kernig-männlichen Rennfahrer-Machos und leichtbekleideten, vollbusigen Boxenludern. Kein Wunder, daß da der deutsche Genrefilm nicht zurückstecken möchte, schließlich folgt die deutsche Jugend nicht nur in Sachen Film den Vorbildern der überpräsenten Vereinigten Staaten.

Jakob Schäuffelen hat mit seinem ersten für die große Leinwand produzierten Film das Erfolgsrezept seiner übergroßen US-Vorbilder aufgegriffen und einen lauten, schnellen, simpel gestrickten und in erster Linie auf den äußeren Schein bedachten Raserfilm gedreht. Doch den Figurenkonstellationen hat man einen auf den ersten Blick besonderen Kniff zugedacht, der sich freilich nach genauerem Hinschauen als ebenso stereotype Masche entpuppt, wie der Film als Ganzes.

Mia, die Heldin, ist eine begeisterte Autonärrin und bastelt mit größerem Talent am Volkswagen ihrer Mutter herum, als das so mancher Junge könnte. Ihr großes Ziel besteht darin, einmal bei der Rallye in Dakar mitzufahren. Als sie auf ein Trio ebenso PS-liebender Frauen trifft, erfährt sie von illegalen nächtlichen Rennduellen und lernt den größten Gegner der selbstbewußten Ladies, den Macho Cosmo kennen. In Folge setzen sowohl der verschmähte Frauenheld als auch die lesbische Sherin, Anführerin der Girlie-Werkstatt, ihre Verführungskünste ein, um die hübsche Mia für sich zu erobern.

Der geringe Reiz des Filmes steckt sicherlich in der ambivalenten Haltung Mias, deren Sexualität – zumindest laut Drehbuch – nicht so leicht zu durchschauen sein soll, und die zunächst durchaus auf das Werben der anderen Frau eingeht. Nur widerwillig löst sie verlorene Wetten wie einen Kuß bei ihrem Widersacher Cosmo ein. Diese Spannung ist jedoch eine recht oberflächliche, da man das Spiel sicherlich viel schneller durchschaut als die geprellte Sherin. Das Drehbuch folgt den Gesetzmäßigkeiten eines äußerst einfallslosen Genres, und so ist man wenig überrascht, wenn sich im Laufe des Films die einseitige Abneigung in gegenseitige Zuneigung wandelt.

Die Zielgruppe des Films, pubertierende Männer, werden nicht nur an den Autoszenen ihren Gefallen finden. Die immer wieder eingestreuten Witze werden wohl ebenso auf Zuspruch stoßen wie die kaum verhüllten weiblichen Fahrer, da kommen homoerotische Kußszenen sicherlich auch noch gelegen – Männerphantasien pur. Abgefahren ist ein Film, der festgefahrene Stereotypen bis zum Anschlag ausreizt und der seit den »Manta«-Filmen der frühen 90er Jahre eigentlich längst der Vergangenheit angehören müßte. 1970-01-01 01:00
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