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Die Abenteuer von Sharkboy und Lavagirl

The Adventures of Sharkboy and Lavagirl in 3-D. USA 2005. R,B,K,S,M,P: Robert Rodriguez. B: Marcel Rodriguez. M: John Debney, Graeme Revell. P: Troublemaker Studios. D: Taylor Lautner, Taylor Dooley, Cayden Boyd, David Arquette u.a.
93 Min. Sony Picture ab 6.10.05

Tagtraum in 3-D

Von Patrick Hilpisch In unseren Träumen verarbeiten wir weitgehend unbeeinflußt von moralischen und normativen Kontrollinstanzen unsere tagtäglichen Erlebnisse, setzen uns mit unseren Wünschen und Ängsten in einer ungewöhnlich drastischen und plastischen Bildsprache auseinander, die geradezu nach filmischer Visualisierung schreit.

Fernab beunruhigender mentaler »Horrorszenarien«, die etwa Filme wie Dreamscape, The Cell oder die Nightmare on Elm Street-Reihe auszeichnen, lädt Robert Rodriguez' neuestes Kinospektakel zu einer phantastischen Reise in die Traumwelten des zehnjährigen Max ein, die von den Superhelden Sharkboy und Lavagirl und ihren Gegenspielern bevölkert werden.

Was sich zunächst als Fluchtpunkt vor unliebsamen Realitäten (fragiles Elterngefüge, Ärger mit Mitschülern) darstellt, entpuppt sich plötzlich als durchaus existente und bedrohte Parallelwelt, die durch die außergewöhnlichen Fähigkeiten des »Tagträumers« Max gerettet werden soll. Da das Vertrauen in die Kraft der eigenen Imagination erst noch geweckt, ein gesundes Selbstbewußtsein und Verhältnis zwischen Traum und Wirklichkeit noch generiert werden muß, gestalten sich die ersten Gehversuche als »Auserwählter« auf dem Traumplaneten Drool schwierig, und erst angesichts massiver existentieller Bedrohung findet Max den Zugang zu seinen »Superkräften«.

Der Rückbezug zur unmittelbaren Realität des Jungen, den ihn umgebenden und prägenden Personen ist dabei in seiner kindlich »traumverklausulierten« Form stets der Zielgruppe des Filmes angepaßt, was jedoch nicht heißen soll, daß die auf Drool agierenden Alter egos dieser Figuren zu oberflächlich oder gar plump gezeichnet sind. Generell vollbringt Rodriguez das Kunststück, trotz des Labels Kinderfilm, durch die Integration von Genre- bzw. Filmzitaten (z. B. die Zaubererduell-Szene aus The Raven) und Spielereien auf der Wort-Bild-Ebene (etwa die »wörtliche« visuelle Darstellung solch etablierter Bezeichnungen mentaler Vorgänge wie »stream of consciousness« oder »train of thoughts"), auch den älteren Zuschauern durchweg unterhalten zu können.

Die visuelle Extravaganz des 3D, die wohl auch als Zugeständnis ans junge Publikum zu verstehen ist und deren Attraktionswert sich relativ schnell abnutzt, ist in Anbetracht dessen ebenso zu entschuldigen wie die Tatsache, daß das Breitband-Happyend ein wenig zu moralingetränkt daherkommt. 1970-01-01 01:00
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