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Die Abbotts – Wenn Haß die Liebe tötet

Inventing the Abbotts. USA 1997. R: Pat O'Connor. B: Ken Hixon. K: Kenneth MacMillan. M: Michael Kamen. S: Ray Lovejoy. D: Joaquin Phoenix, Billy Crudup, Liv Tyler, Jennifer Connelly, Kathy Baker u.a.
120 Min. Twentieth Century Fox ab 14.8.97

Fünfziger Jahre Konstrukt

Von Ralf Möller Irgendwie paßt Jennifer Connelly nicht in unsere Zeit. Deshalb hat sie ihre schönsten Rollen wohl auch in periodic pics. Bei ihrem Leinwanddebüt als junge Deborah in Leones Once upon a Time in America verzaubert sie mit ihrer Anmut nicht nur den jungen Noodles, sondern auch den Zuschauer. In Dennis Hoppers schwülem Noir The Hot Spot verliert sie Don Johnson an eine niederträchtige Virgina Madsen, mit der sie vorher ein paar schöne Momente am See hat. Der Rocketeer befreit sie aus den Händen der Nazis, während Nick Nolte ihren Tod in Lee Tamahoris unterschätztem Mulholland Falls untersuchen muß.

Doch langsam, aber sicher etablierte sie sich in der klassischen Film-noir-Vamp-Rolle. Am wenigsten durchschaubar ist sie in Bruno Barretos The Heart of Justice, wo sie als scheinbar verletzliches Opfer der High Society New Englands langsam ihre Fäden um den von Eric Stoltz gespielten Sensationsreporter spinnt, bis dieser ihr verfallen ist.

Auch in Inventing the Abbotts spielt sie das »böse« Mädchen. Sie ist Ellenor, die mittlere der drei Abbots-Schwestern. Sie ist ungehorsam und läßt sich mit Jungs jenseits ihres Standes ein, etwas, was sich im Mittleren Westen der USA um 1957 nicht besonders gut macht, vor allem in den Augen ihres gestrengen Vaters. Ganz das Gegenteil ist Pamela, ihre jüngere Schwester, das Nesthäkchen der Familie. Liv Tyler spielt sie mit ihrer typischen Natürlichkeit.

Leider versehen sie die Ausstatter des Films diesmal mit einer solch unförmigen Kleidung und einem solch schrecklichen Haarschnitt, daß einem fast schlecht wird. Regisseur Pat O'Connor hat mit Inventing the Abbotts einen Film aus den Fünfzigern gemacht, nicht über die Fünfziger. Daß wir uns dann doch in den 90er Jahren befinden, machen eigentlich nur die gelegentlichen four-letter-words klar. Die Geschichte um die fünf Teenager unterschiedlicher Herkunft bleibt zu sehr in ihrer Konstruktion hängen, als daß sie den Figuren eine Chance gibt. So verschwindet der interessanteste Charakter, Jennifer Connellys Ellenor, zur Hälfte des Films und hat nur noch am Ende einen kurzen Auftritt. Schade.

Anzumerken bleibt noch die Leistung von Joaquin Phoenix. Der Bruder von River, der vor zwei Jahren als debil-geiler Schüler in Gus van Sants schwarzer Komödie To Die For erstmals auf sich aufmerksam machte, überzeugt hier als einer der Holt-Brüder, dem Unterschichtgegenstück zu den Abbott-Schwestern. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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