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A Snake of June

Rokugatsu no hebi. J 2002. R,B,K,S: Shinya Tsukamoto. M: Chu Ishikawa. P: Kaijyu Theater. D: Asuka Kurosawa, Yuji Kohtari, Shinya Tsukamoto, Mansaku Fuwa u.a.
77 Min. Rapid Eye Movies ab 11.3.04

Druck-Erzeugnisse

Von Melanie Balz Rinko und Shigehiko führen ein finanziell unbeschwertes, aber völlig emotionsloses Eheleben. Trotzdem scheinen sie mit ihrer »Idylle« zufrieden. Es ist Juni und somit Regenzeit in Japan. Rinko erhält eines Tages einen geheimnisvollen Brief mit der Aufschrift »Geheimnisse vor Ihrem Mann«. Er enthält ein Bündel mit Fotographien, auf denen sie selber in fortschreitenden Stadien sexueller Erregung abgebildet ist, geschickt von einem Voyeur, der sie zu erpressen beginnt.

Der Autor, Regisseur und Schauspieler Shinya Tsukamoto kreierte eine attraktionslose, sterile Welt mit engen, öffentlichen Toiletten und schmucklosen Räumen. Im Hintergrund ist unaufhörlich der Regen zu hören, der gegen die Scheiben schlägt. In dieser Atmosphäre behandelt Tsukamotos Film gesellschaftliche Tabuthemen wie Krankheit, Tod, Versagensängste, Emotionsarmut und Voyeurismus bis hin zur Betrachtung gesellschaftlicher Perversionen.

Es ist ein düsterer Film über die Deformierung der modernen Industriegesellschaft und Kultur Japans, über die Einsamkeit, die sexuelle Befreiung einer jungen Frau, über Menschen, die allesamt aufgrund ihres isolierten Daseins schwere psychische Probleme haben und dringend einer ernsthaften Therapie bedürfen. Der Spiegel einer Gesellschaft, in der jeder für sich alleine kämpft, jeder unter ungemeinem Druck steht.

Die Machart des Filmes erinnert ein wenig an japanische Mangas. Zum einen liegt das daran, daß der Film in einem blaustichigen Schwarzweiß abgedreht wurde, was die Bilder nahezu graphisch erscheinen läßt. Zum anderen ist der Schnitt sehr hart, mit abrupt wechselnden Szenen, so daß der Eindruck entsteht, es handele sich um »short cuts«. Das Wackeln der handgehaltenen Kamera läßt alles ein wenig natürlicher erscheinen; es entsteht nicht selten der Eindruck, als würde der Betrachter seine Beobachtungen aus der Sicht des Stalkers machen, als wäre er selbst mittendrin. Ein ungewöhnliches Werk, zu dem wohl nicht jeder Zugang finden wird. 1970-01-01 01:00
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