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A.I. – Künstliche Intelligenz

USA 2001. R: Steven Spielberg. B: Ian Waton, Brian Aldiss, Steven Spielberg. K: Janusz Kaminski. M: John Williams. S: Michael Kahn. P: Dreamworks. D: Haley Joel Osment, Jude Law, Frances O'Connor, Sam Robards, William Hurt u.a.
145 Min. Warner ab 13.9.01

Rührstück mit Teddybär

Von Sascha Seiler Natürlich kann man die Frage nach dem Medienhype, der um diesen Film gemacht wurde, nicht mehr hören: Wie hätte Kubrick sich des Stoffes angenommen? Aber nach dem etwas zweifelhaften Genuß von A.I. kommt man um diese Frage nicht herum. Jedes Klischee, das die Skeptiker vor dem Filmstart über den Regisseur Spielberg auspackten, hat sich aufs Furchtbarste bewahrheitet; schlimmer noch: Gerade jene Szenen, die einen Versuch darstellen, den vielbeschworenen »Geist Kubricks« zu reanimieren, stören eher das ohnehin schon schwache, melodramatische Grundkonstrukt, auf dem dieser Film aufgebaut ist.

Es gibt Momente, in denen der Zuschauer sich nichts sehnlicher wünscht, als daß Spielberg niemals 2001 gesehen hätte, ja, daß er niemals die Erlaubnis bekommen hätte, sich dieses Stoffes »im Sinne Kubricks« anzunehmen. Dann nämlich wäre wahrscheinlich ein zweites E.T. herausgekommen, und das hätte die Menschen im Kino zumindest seicht unterhalten können.

Die erste halbe Stunde von A.I. ist unerträglich langweilig, dient aber dennoch dem Zweck, dem Zuschauer eine Basis zu geben, auf der er seine Gefühlswelt aufbauen kann. Denn nichts anderes wird uns der Film in den noch verbleibenden zwei Stunden abverlangen: ein Rührstück im Sinne Spielbergs, mit einer verzerrten Auffassung jenes kühlen intellektuellen Zugangs zu Fragen der menschlichen Existenz, die Kubrick in den meisten seiner Filme gestellt hat.

Nach einer nett realisierten Maschinenjagdszene folgt eine lange, vollkommen sinnentleerte Reise durch eine Science-Fiction-Welt, die düster und pessimistisch sein will, aber dennoch nur nach Disneyland für Erwachsene aussieht. Als dann der Junge David auf der Suche nach seinem Menschsein in ein überschwemmtes und verlassenes Manhattan kommt, folgen – man muß es anerkennend erwähnen – 15 Minuten phantastisches Kino, eine der faszinierendsten Sequenzen der letzten Jahre, aber was hilft's, wenn sich daran eins der schrecklichsten Filmenden aller Zeiten reiht. Spielberg hat sich ja schon im voraus für diesen Schluß entschuldigen müssen – es wäre angeblich auch Kubricks Schluß gewesen.

Was bleibt festzuhalten: Die Chraraktere, allen voran Jude Laws Gigolo Joe, sind verschenkt, die Pinocchio-Handlung läuft inkonsequent solange am Rande mit, bis sie der Regisseur zu seinen Zwecken mißbrauchen kann und die Handlung wirkt – auch aufgrund der Qualitätsschwankungen – so zerstückelt wie selten bei einem Film dieser Länge.

Zwei positive Aspekte sollten dennoch festgehalten werden: Die Effekte sind atemberaubend und die bei weitem interessanteste Figur des ganzen Films ist der sprechende Teddybär, der David auf seiner Suche stets begleitet. 1970-01-01 01:00
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