Von Oliver Baumgarten
Es gibt nichts, was dieser Mann nicht schon in Schutt und Asche gelegt hätte: Nach hektarweise zerdrechseltem Urwald (
Predator), einem mundgerecht zerlegten Hochhaus in L.A. (
Stirb langsam) oder diversen New Yorker Stadtteilen (
Stirb langsam: Jetzt erst recht) leidet nun das nordische Hochland. Denn Zerstörungsmeister John McTiernan besucht die Heimat der Wikinger im 9. Jahrhundert.
Daß er auf diese Reise ausgerechnet Antonio Banderas mitnimmt, den Schauspieler, der neben Danny DeVito am wenigsten dem landläufigen Bild eines Wikingers entspricht, das verdanken wir den ulkigen Einfällen der Drehbuchautoren. Banderas nämlich spielt einen Botschafter Bagdads, der mit Freund Omar Sharif die Welt erkundet und unverhofft von den Wikingern auf eine entscheidende Schlacht eingeladen wird. Etwas nur allzu Böses sucht ein Nachbardorf heim, und dreizehn tapfere Krieger ziehen aus, dem ein (reichlich blutiges) Ende zu bereiten. Wie so meist, entpuppt sich auch hier die Quell allen Übels als äußerst menschlich, und am Ende werden sogar frohe Erinnerungen an
Die Zeitmaschine wach.
Gutmütige Zeitgenossen könnten dem
13. Krieger ein lautstarkes Plädoyer für Toleranz und humanistisches Denken bescheinigen, der Rest hingegen dürfte sich über die delikaten Kampfszenen und die üppige Spannungskurve freuen. Ich empfehle letztere Haltung. Denn trotz einiger unfreiwillig komischer Szenen (Banderas lernt über Nacht nordmännisch), bergen die düsteren Bilder, die diabolischen Soundeffekte und die hervorragende Ausstattung kinogerechten Spaß. Der Star allerdings, das ist nicht Banderas, das ist Vladimir Kulich, ein Gebirge von Ausdrucksstärke, der den Chef der Kriegerschar verkörpert und den wahren Heldenpart einnimmt. »Die Hard: With a Viking«.
1970-01-01 01:00