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Der zehnte Sommer

D 2003. R: Jörg Grünler. B: Dieter Bongartz. K: Daniel Koppelkamm. S: Jörg Baumeister. M: Mick Baumeister. P: Zieglerfilm Köln, Ziegler Film Berlin. D: Martin Stührk, Michelle Barthel, Katharina Böhm, Kai Wiesinger, Erika Marozsán u.a.
97 Min. Arsenal ab 4.9.03

Zeit des Erwachens

Von Oliver Baumgarten Sommerferien haben von jeher etwas Magisches. Das liegt wohl daran, daß sie sich in der Erinnerung Erwachsener zur Zeit größtmöglicher Freiheit idealisieren: keine Schule, keine Arbeit, dafür Raum für viele Erfahrungen, Abenteuer und erste Romanzen. Sei es bei Astrid Lindgren, wo ja eigentlich immer Sommerferien sind, oder etwas ruppigere Varianten wie Stand by Me: Ein einziger Sommer kann das gesamte Leben prägen.

Der zehnte Sommer von Kalli Spielplatz jedenfalls ist so einer. Mit seinen Kumpels plant er zunächst Großes: Sie wollen einen Zoo aufmachen – einen aber, der nicht nur kriechendes oder flatterndes Kruppzeug in einem Weckglas zu bieten hat, sondern eine echte Sensation. Und die zeigt sich plötzlich in einem kleinen Affen, den Pollis Vater auf zweifelhaftem Wege heranschaffte. Doch wo soll er unterkommen? Kalli hat wie immer eine Idee und fragt bei den Nachbarn. Die eigenartige Frau Hilfers, die mit ihren trulligen Töchtern einen äußerst verruchten Ruf genießt und die stets so überraschend herzlich auf Kallis Vater reagiert, erklärt sich bereit: Sie nimmt das Tier tagsüber bei sich auf. Und so können die Dinge im Sommer für Kalli ihren Lauf nehmen: eine Familienkrise, der erste Kuß und die Probe für die Freundschaft.

Der zehnte Sommer spielt im Jahre 1960, und eines der größten Vergnügen stellt ohne Frage die Ausstattung von Bernd Lepel dar, der unaufdringlich, aber liebevoll die zahlreichen Totalen des Films zeitgemäß zu dekorieren verstand. Überhaupt gibt es eine Menge zu sehen in Jörg Grünlers Familienfilm, dessen Geschichte die Zuschauer nicht für dumm verkauft, sondern – gerade die jüngeren – durchaus fordert. Keine Fantasy-Elemente, keine in schmale Synthi-Musik gekleidete Rap-Musical-Momente oder sonstige Anbiederungsversuche an die Zielgruppe durch vermeintlich hippe Frisuren/Klamotten/Accessoires (haben wir ja alles schon gesehen im deutschen Kinderfilm der letzten Monate), sondern ehrliches Ausstattungskino mit Botschaft durch Transferleistung. Daß das dann nicht Schulmeisterlich wurde, ist beispielsweise den Leistungen der durchweg fröhlichen Darsteller geschuldet, deren ideale Balance zwischen Ironie und Natürlichkeit stets für Aufmerksamkeit sorgt. 1970-01-01 01:00
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